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Fistula e.V.

Weltfistulatag 2026

Liebe Fistula-Förder*innen und -interessierte,

Diesmal berichtet Ihnen unsere erste Vorsitzende, Frau Dr. Barbara Teltschik, aus Ouagadougou in Burkina Faso, von wo sie vor einigen Tagen von einem zweiwöchigen Einsatz im ARENA Fistula Hospital zurückgekommen ist. Sie konnte den Aktionstag zum Weltfistulatag vor Ort verfolgen. Zu unserer Freude nahm Herr Fetewi von der Deutschen Botschaft an der Veranstaltung teil.

Geburtshilfe ist ein Menschenrecht!

ARENA Weltfistulatag
Fatouma und ihr Kind haben die schwere Geburt überlebt. Nun strahlt sie wieder, eine Woche nachdem Dr. Itengré ihre komplizierte Fistel operiert hat.

Weltfistulatag - wenn ein ganzes Viertel in Bewegung kommt

Aufklärung ist ein zentraler Baustein im Kampf gegen Geburtsfisteln – für betroffene Frauen, für junge Menschen und für die Entscheidungsträger vor Ort. ARENA ist deshalb nicht nur auf allen Social-Media-Kanälen aktiv, sondern engagiert sich auch in ihrem Stadtteil, um Akzeptanz für die Patientinnen zu erlangen.

Am Vorabend des Weltfistulatags wurde das besonders spürbar: Ein Stadtteilumzug zog durch das Viertel – bunt, laut und voller Leben. Zwei Lehrer unterstützten die Aktion und beteiligten sich mit ihren Schulklassen. Das gesamte Krankenhauspersonal kam in Sportkleidung. Und ich? Ich fragte mich kurz, ob ich da mithalten kann – bis ich merkte: Bei 40°C rennt in Burkina Faso niemand. Stattdessen wurde getanzt und gelacht.

Begleitet von lokaler Rap-Musik und einem mitreißenden Moderator mit Mikrofon zogen wir gemeinsam mit den Jugendlichen und vielen ehemaligen Patientinnen durch die Straßen. Besonders bewegend: Menschen mit Gehbehinderungen in selbstgebauten, phantasievoll gestalteten Rollstühlen, sangen und lachten und waren mittendrin!

Vor dem Krankenhaus wurde anschließend weitergefeiert – Aerobic traf auf traditionelle Tanzformen, und wer besonders gewürdigt werden sollte, wurde in die Mitte genommen. Die Aktion zog viele Blicke auf sich – und genau das war der Sinn.

ARENA Instrumentenaufbereitung
Am Vortag des Weltfistulatags am 23.5. fand ein Stadtteillauf, organisiert vom ARENA Fistula Hospital statt. Es beteiligten sich außer dem gesamten Team Fistulaüberlebende, zwei Schulklassen und einigen Rollstuhlfahrende.

Ganz anderes ging es am nächsten Tag zu - gefeiert wurde mit einer offiziellen Veranstaltung, zu der mehrere Ehrengäste geladen waren: 

Die Deutsche Botschaft hatte dafür die Schirmherrschaft übernommen. Was vor einem Jahr mit der Kontaktaufnahme in Ouagadougou begann, hat sich zu einer erfolgreichen Kooperation weiterentwickelt. Wir möchten Herrn Sem Fetewi herzlich danken, dass er trotz eigenem Besuch aus Deutschland zur Veranstaltung zum Weltfistulatag kam und mit seinem persönlichen Grußwort echtes Engagement zeigte. 

Im Gegensatz zum Vortag stand dieser Morgen ganz im Zeichen des Protokolls, wobei uns die afrikanischen Gäste über eine Stunde warten ließen. Die dann folgenden langen Reden, Grußworte, Ehrbezeugungen waren schwer zu ertragen, denn die Beteuerungen der traditionellen Würdenträger und des Bürgermeisters, sich für Frauengesundheit einzusetzen, waren reine Lippenbekenntnisse und politisches Pflichtprogramm – schließlich waren internationale Partner und ein Vertreter von UNFPA (dem United Nations Population Fund) anwesend!

Da ARENA das einzige Fistula Hospital in Burkina Faso ist, besteht zwischenzeitlich auch ein öffentliches Interesse an der Veranstaltung. Wir hoffen auf tatsächliche Veränderungen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung von Frauen!

ARENA Instrumentenaufbereitung
Dr. Itengré stellt ARENA und die Ehrengäste vor. Rechts neben dem (halb verdeckten) UNFPA-Vertreter sitzt Herr Fetewi von der Deutschen Botschaft in Ouagadougou.

Wichtige Aufrüstung von Labor und Apotheke

Erst während meines Aufenthaltes in Ouagadougou erfuhr ich Genaueres über den Umfang der Deutschen Unterstützung: 

Über ein Sonderprogramm der Deutschen Botschaft wird ARENA in diesem Jahr mit moderner Ausrüstung für Labor und Apotheke unterstützt. Konkret bedeutet das: Kühl- und Gefrierschränke sowie mikrobiologisches Equipment im Wert von rund 25.000 Euro.

Diese Investition macht einen echten Unterschied: Bakteriologische Untersuchungen können künftig direkt vor Ort durchgeführt werden – schneller und zu erschwinglichen Preisen. Das bedeutet, dass die Diagnostik nun bald regelmäßig erfolgen kann und Harnwegs- sowie Wundinfektionen präziser und resistenzgerecht behandelt werden können. Eine spürbare Verbesserung der medizinischen Standards für die Fistelpatientinnen.

Herzlichen Dank an alle, die diesen Erfolg möglich gemacht haben! 

Mein Einsatz im ARENA Fistula Hospital

Samstag, 23.Mai: Seit einer Woche bin ich nun in Ouagadougou, das zweite Mal in diesem Jahr. Es ist unerträglich heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit - alle warten auf die Regenzeit. Heute Abend nach der großen Feier gab es den ersehnten Schauer mit einem starken Gewitter und dem obligatorischen Stromausfall. Abkühlung konnte jedoch leider nur kurz erreicht werden. Die Stromausfälle sind deutlich häufiger als bisher, auch hier herrscht Energieknappheit; aus Ghana und der Elfenbeinküste gibt es weniger Öl.

Für die zwei Wochen haben wir ein straffes Programm vorgesehen und wie immer kommen ungeplante Dinge dazwischen. Wir hatten zwei Sonographiegeräte geschickt, die auch rechtzeitig ankamen. Bisher waren die Zollformalitäten in Burkina Faso einfach. Seit der Militärdiktatur wird jedoch zunehmend versucht, Korruption auszumerzen und der Staat möchte an den Zollgebühren mehr verdienen. Sie sind sehr hoch und da spielt es auch keine Rolle, dass ARENA eine anerkannte gemeinnützige Assoziation ist, die eigentlich Zollbefreiung genießt. Seit zwei Wochen bemüht sich nun Dr. Aziz, Klinikapotheker und rechte Hand Dr. Itengrés, die wachsende Anzahl an Formularen und Genehmigungen zu beschaffen, um die Geräte endlich vor Ort zu haben. Bei jedem Besuch fehlt angeblich wieder ein wichtiges Papier. Wir alle hoffen weiter.

Zum Glück steht uns das Gerät des Radiologen zeitweise zur Verfügung und wir konnten wenigstens mit den praktischen Übungen beginnen. Dr. Itengré hatte früher schon einmal Zugang zu einem Ultraschallgerät, so lernt er schnell. Wichtig sind bei Fistelpatientinnen die Beurteilung von Nieren und Blase, da in vielen Fällen die Harnwege betroffen sind. Die Harnleiter liegen oft im betroffenen Gebiet, so dass die Nieren gestaut und in ihrer Funktion eingeschränkt sind. Das muss vor jeder Operation abgeklärt werden. Auch ist es wichtig zu sehen, wie die Blasenwand aussieht. Nach der Operation erfolgen Kontrolluntersuchungen. 

Ich bin sehr glücklich, dass die apoBank-Stiftung der Deutschen Apotheker- und Ärztebank beide Geräte und den Transport finanziert hat. Die Spende von 20.000 Euro für dieses wichtige Projekt spornt uns alle an, weiter an der Qualität der Patientenversorgung zu arbeiten. Danke!

Mittwoch, zwei Tage vor meiner Abreise, bekommen wir die Ultraschallgeräte endlich aus dem Zoll und ich kann sie programmieren - das fängt beim Umstellen der Sprache an. Hier spricht kaum jemand Englisch. Leider ist alles in den Geräten auf Deutsch oder Englisch, sogar die Zeitzonen und natürlich alle hinterlegten Organprogramme müssen bearbeitet werden. Ein wenig Zeit bleibt zur Einführung und für erste Untersuchungen mit den neuen Geräten.
ARENA Instrumentenaufbereitung
Dr. Itengré beim Ultraschall einer Patientin, begleitet vom den beiden Urologen Dr. Teltschik und Dr. Ouattara. Der junge Facharzt ist der erste Ausbildungskandidat für Fistelchirurgie im neuen FIGO-Zentrum.

Auch der Urologe Dr. Abdul-Karim Ouattara ist mit mir zwei Wochen vor Ort. Er hat als erster die Gelegenheit, die zertifizierte FIGO-Ausbildung bei Dr. Itengré zu absolvieren. Seit vielen Jahren engagiert sich FIGO, die Weltorganisation für Gynäkologie und Geburtshilfe, für eine gute Weiterbildung auf diesem Gebiet. Aber die Unterstützung beruht auf Gegenseitigkeit: der Chirurg Dr. Itengré wird von ihm bei urologischen Fragestellungen unterstützt.

Außerdem stellten wir eine Notfalltasche für Erwachsene zusammen. So kann im Fall eines allergischen Schocks, Herz-Kreislauf-Problemen oder anderen Noteinsätzen schnell Ausrüstung geholt werden. Nun fehlen nur noch ein Defibrillator und Ergänzungen zur Ausrüstung für Säuglinge und Kleinkinder, dann ist die Notfallausrüstung komplett. 

 
 

Ein OP-Sieb für Kaiserschnitte bei ARENA

Bei jedem Aufenthalt sehen wir Bedarfslücken in der Ausstattung, da sich das Zentrum kontinuierlich vergrößert und zum Positiven weiterentwickelt. Im Januar stellte ARENA eine junge Gynäkologin ein, die mit den beiden Hebammen die Geburtshilfe im angeschlossenen Stadtteilkrankenhaus auf ein neues Niveau gehoben hat. Es fehlte aber ein OP-Set für Kaiserschnitte. Da die Prävention von Fisteln die beste Therapie ist, übernahmen wir gerne diese Investition in die Frauengesundheit des Stadtteils.

Gleich am ersten Tag meines Besuchs haben wir die Lieferung der OP-Container und -Instrumente ausgepackt und ein Kaiserschnittset, ein kleines Set für Notkaiserschnitte und zwei Sets für kleine chirurgische Eingriffe und Wundversorgung zusammengestellt. 

Nun sind die OP-Siebe fürs Erste wirklich komplett, wir haben alles erneut gesichtet und alle Instrumente nun katalogisiert, um eventuelle Nachbestellungen zu erleichtern. Fistula e.V. fühlt sich im Sinne der Nachhaltigkeit für den Bestand und seine Erhaltung verantwortlich, denn vor Ort kann kein gutes Equipment beschafft werden.

Knappe, intensive zwei Wochen gehen zu Ende und ich bin froh, ins vergleichsweise kühle Deutschland mit 32°C zurückzukehren.

 
ARENA_Reintegration
Konzentriert werden die ersten Schnittmuster für Hosen gezeichnet und ausgearbeitet.

Unser Reintegrationsprojekt ist ein voller Erfolg!

Derzeit läuft schon die zweite Staffel zur Ausbildung im Schneiderhandwerk für besonders geschädigte, junge Frauen. Derzeit lernen sie das selbstständige Anfertigen von Hosen-Schnittmustern und das  schwierige Einsetzen des Reißverschlusses am Hosenschlitz. Es war wunderbar, alle mit großem Eifer arbeiten zu sehen!

Im Januar konnte ich den Abschluss des ersten Kurses begleiten, in Kürze wird Inoussa, der die Außenbetreuung koordiniert, die ersten "Hausbesuche" durchführen. Dafür muss zuerst Kontakt zu den jeweiligen Behörden am Wohnort aufgenommen werden, um Schwierigkeiten für die Frauen zu vermeiden. Wir sind auf die Ergebnisse gespannt! Einige Frauen haben bereits Fotos von ihren kleinen Werkstätten und selbst entworfenen Modellen geschickt. Eine der Absolventinnen hat eine Ausbildung in Maschinenstickerei angehängt und fertigt nun traditionelle Hemden mit aufwendiger Stickerei zur Einfassung am Kragen. Das klingt alles sehr vielversprechend!  

 

Spende für die Reintegration junger Frauen in Burkina Faso

Die Nähkurse für junge,alleinstehende  Frauen sind ein wesentlicher Bestandteil der Reintegration, um später ein selbst-bestimmtes Leben zu führen. Ergänzende Alphabetisierung ist in Planung.

Wir wollen dieses wichtige Engagement ermöglichen – mit Ihrer Spende.
 

Neues vom Verein

Die Organisation der Arbeitseinsätze in Burkina Faso erfordern eine aufwändige Vorbereitung, da wichtige Ausrüstung ausgesucht, besprochen, bestellt und versendet werden muss. Da bleibt oft wenig Zeit für weitere Aktivitäten. 

Derzeit beschäftigen wir uns mit der Aktualisierung der Webseite, auch das ist umfangreicher als gedacht. Alle Texte müssen überarbeitet werden. In ein paar Wochen wird alles Online zu sehen sein.

Unsere Jahreshauptversammlung ist für Donnerstag, den 2. Juli, um 19:30 Uhr geplant. Sie wird Online stattfinden. Wir werden wieder über unsere Arbeit im vergangenen Kalenderjahr berichten. Gerne können alle Interessierten daran teilnehmen, melden Sie sich einfach bis zum Vortag über info@fistula.de an. Eine Einladung mit Tagesordnung wird rechtzeitig an die Vereinsmitglieder versendet werden.
Einen schönen Sommer wünscht Ihnen für das Team von Fistula e.V. 

Dr. Barbara Teltschik
Vorstand Fistula e.V.

Logo Fistula e.V.
 
Informieren Sie sich doch auch über Social Media!

Spendenkonto Fistula e.V.

Deutsche Apotheker- und Ärztebank (apoBank)

IBAN: DE29 3006 0601 0081 2834 05

BIC (SWIFT-CODE): DAAEDEDDXXX

Fotos: Dr. Barbara Teltschik - Copyright: Fistula e.V.

Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

 

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Dr. Barbara Teltschik
Heubergstraße 8
70188 Stuttgart
Deutschland

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