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Fistula e.V.

Newsletter Februar 2022

Liebe Fistula-FörderInnen und -Interessierte,

Das TERREWODE Fistula Hospital hat sich seit seiner Eröffnung vor gut zwei Jahren trotz der Widrigkeiten der Pandemie sehr gut weiterentwickelt. Dr. Barbara Teltschik, 2. Vorsitzende von Fistula e.V., wurde eingeladen, einen OP-Workshop für die führenden ugandischen Fistelchirurgen mit zu organisieren. Erfahren Sie mehr über ihre Reise:
Terrewode Uganda
Essensausgabe im Krankensaal

Nach 2 Jahren - endlich ein Wiedersehen im TERREWODE Fistula Hospital in Soroti

Drei Mal musste meine Reise Corona-bedingt verschoben werden, fast ungläubig kam ich im TERREWODE Fistula Hospital an. Alle geschäftig, der Krankensaal voll belegt, gerade wurde das Mittagessen ausgeteilt. 
Dr. Fekade Ayenachew, Trainer und Fistelchirurg aus Äthiopien, war bereits zwei Tage vor Ort und operierte gerade eine junge Frau mit einer komplexen Geburtsfistel – beide Ärzte der Klinik assistierten und diskutierten lernbegierig die einzelnen OP-Schritte. Große Freude bei der Begrüßung der Schwestern, hatten wir uns doch so viel vorgenommen, das während der ungewollten Pause nicht über Zoom und E-Mail erarbeitet werden konnte. Zwei Koffer voller Instrumente, um zwischenzeitlich stumpfe Scheren und andere Medizinprodukte zu ersetzen und zu ergänzen, hatte ich mit Charme und Überzeugungsgabe durch den Zoll befördert und konnte nun endlich alles auspacken. 

Terrewode Uganda - Coronaregeln
Informativer Film über das Gelände des TERREWODE Fistula Hospitals in Uganda.
Das Krankenhaus befand sich in einem hervorragenden Zustand, obwohl Desinfektionsmittel und anderes medizinische Equipment seit der Pandemie in Uganda schwer erhältlich und überteuert sind. Covid-Maßnahmen wurden konsequent umgesetzt. Ich war beeindruckt, insbesondere, nachdem ich noch am ersten Tag die Möglichkeit hatte, das städtische Krankenhaus in Soroti, das größte der Region, zu besichtigen und die verheerenden hygienischen Bedingungen sah.

Projektbesuch der geburtshilflichen Station des Soroti Regional Hospital  

Die geburtshilfliche Station des Soroti Regional Hospital mit 30 Betten war mit 70 Patientinnen überbelegt, im Dezember waren es sogar 120. Im Kreissaal standen nur drei Pritschen, es ist wohl üblich, dass die Frauen auf dem nackten Boden gebären müssen.
Die meisten Patienten hielten sich draußen auf der Wiese auf, um etwas Luft zu schnappen, oder an der offenen Kochstelle, denn sie müssen sich selbst um ihre Versorgung kümmern.
Im schummrigen OP funzelte eine einzelne Neonröhre zwischen zwei OP-Tischen – der Kaiserschnitt fand gerade im Halbdunkel statt. 
Die in der ugandischen Presse gefeierte Neugeborenen-Intensivstation entpuppte sich als kleiner, stickiger Raum ohne Inkubator, lediglich 5 Wärmebettchen, je mit zwei Winzlingen belegt, standen rum. Auf Nachfrage erfuhr ich: nur eines ist funktionstüchtig.

Patienten zahlen Ärzte und Schwestern für ihre Tätigkeit, obwohl die Versorgung eigentlich vom Staat finanziert wird. Jeder Handschuh, Fäden für die OP und anderes muss vorfinanziert werden. Das wird natürlich vom Personal nicht zugegeben, wurde mir aber von verschienen Seiten bestätigt.
So ist zu erklären, warum es in Uganda immer noch zu diesen schweren Geburtsverletzungen kommt – armen Frauen fehlt das Geld für das Notwendigste, sie werden einfach gar nicht behandelt.
In Uganda ist die Müttersterblichkeit mit 375 pro 100.000 Lebendgeborenen auch im afrikanischen Vergleich hoch. Zur Orientierung: In Deutschland 7 pro 100.000. (Daten von 2017)
Ein Regional Hospital in Uganda
Vorraum der Neugeborenen-Intensivstation im Soroti Regional Hospital.

Operations-Workshop im Fistula Hospital

Nach intensiver Vorbereitung erwarteten wir zum Wochenbeginn ugandische Fistelchirurgen, vornehmlich von der größten Universitätsklinik in Kampala. Der OP-Workshop war für 5 Tage geplant. Dr. Tino Okedi und Dr. Fekade hatten interessante, schwierige Fälle zusammengestellt, um neue Operationsmethoden zu zeigen. Wir entschieden uns, auch eine Patientin zu operieren, die eine Missbildung hatte, ihr fehlte die Vagina und der Uterus. Zwischenzeitlich hat es sich im ganzen Land herumgesprochen, dass am Fistulakrankenhaus auch komplizierten Fällen geholfen wird – es kommen auch Frauen mit Inkontinenz aufgrund einer Gebärmuttersenkung und einige, die mit seltenen Erkrankungen nirgendwo Hilfe erhielten.
OP-Workshop im Fistula Hospital Uganda
OP-Workshop im TERREWODE Fistula Hospital Uganda. (v.l. Schwester Esther, Dr. Fekade, Dr. Alia, Dr. Cherop, Operateur Dr. Baragaine)
Anfänglich waren die ugandischen Gynäkologen enttäuscht, sie wollten eine große Menge Patienten pro Tag operieren, wie es in den „Camps“ zur Fistelchirurgie üblich ist. Ein Wettlauf, um möglichst viel Geld zu verdienen. Wir bestanden darauf – nur ein OP-Tisch. Gemeinsame Besprechung der Operationsmethode, Einhalten der Regeln unseres  Krankenhauses wie Einsatz der Elektrochirurgie zur besseren Übersicht und Blutungskontrolle, standardisierte Vorgehensweise und genaue Präparation.
Dies führte zu Diskussionen, doch nach kurzer Zeit erkannten die Kollegen, welch ein Unterschied zwischen ihrem Vorgehen und unseren „modernen“ Methoden bestand. Sie konnten Operationen bei Harninkontinenz kennenlernen, die bei uns seit 30 bis 40 Jahren Standard, in Subsahara-Afrika jedoch unbekannt sind. Übersichtliche OP-Bereiche mit genauer Blutstillung durch Elektrochirurgie – ihr anfänglicher Widerstand erlosch, als sie Dr. Fekade‘s exzellente Präparation sahen.
Unsere gespendete Cystoskopieeinheit kam bei dieser urogynäkologischen Fortbildung unter bewundernden Blicken zum Einsatz. Beeindruckend war der Befund einer vernarbten Blase nach früherer Fisteloperation und eine kleine Blasen-Scheidenfistel nach Gebärmutterentfernung aus endoskopischer Perspektive.
Außerdem diskutierten wir über Scheidenpessare bei Gebärmuttersenkung – sicherlich eine gute Alternative in einem Land mit begrenzten Operationsmöglichkeiten.

Dr. Fekade’s Neuanlage einer Vagina aus Dickdarm an der jungen Patientin, über die ich oben berichtete, beeindruckte die Kollegen so, dass sie ihren Aufenthalt noch um einen Tag verlängerten und eine Patientin mit demselben Problem aus Kampala kommen ließen. Sie wurde am Samstag operiert, nachdem der eigentliche Workshop mit großem Aufgebot von Journalisten und Regierungsvertretern bereits beendet worden war. Alle wünschten sich eine Wiederauflage, das TERREWODE Fistula Hospital hat mit dieser Veranstaltung sein Renommee im Land deutlich gesteigert. (Den Original-Artikel aus New-Vision, der größten Tageszeitung Ugandas, können Sie auf fistula.de unter "Presse" nachlesen.)
Fistula e.V. in Uganda
Demonstration der Elektrochirurgie-Einheit

Instrumentenaufbereitung – eine Herausforderung in Subsahara-Afrika

Fistula e.V. hat in den letzten Jahren die OP-Instrumente und einen neuen Autoklaven finanziert und mehrfach Schulungen zur Reinigung und Sterilisation von OP-Instrumenten durchgeführt. Auch während dieses Aufenthaltes arbeiteten wir im Hintergrund an der Verbesserung der Standards. In Uganda können moderne Desinfektionsmittel praktisch nicht gekauft werden, als Gefahrgut können wir sie auch nicht schicken. Erhältlich sind nur Chlorverbindungen, die die Instrumentenoberfläche angreifen und zu schnellem Rosten und Abnutzung der Scheren führen. Einiges müssen wir nun austauschen, Scheren sind zum Schleifen mit mir zurückgeflogen und endlich haben wir eine Bezugsquelle für neue Desinfektionslösungen gefunden.
Fistula e.V. in Uganda
Schwester Agnes mit dem neuen Autoclaven, in dem mehrere Instrumentensets gleichzeitig sterilisiert werden können.
Die bemerkenswerte Weiterentwicklung des Krankenhauses hat dazu geführt, dass die Anzahl der Instrumentensets nicht mehr für den Tagesbedarf ausreicht. Wir erarbeiteten neue Sets mit Dr. Tino, um dem Bedarf in Zukunft gerecht zu werden. 

Leider gab es am Wochenende einen Stromausfall aufgrund einer Überspannung, auch nach Reparatur durch die städtische Stromversorgung blieb der neue Autoklav stumm. Es brauchte Tage, bis die Ingenieure aus Kampala kamen und unsere OP-Tätigkeit musste reduziert werden. Wir diskutieren nun Lösungen, um in solch einem Fall einen Ersatz zu haben. Wir werden wohl neben einer Absicherung durch eine unterbrechungsfreie Stromversorgung einen weiteren, kleinen Autoklaven als Zweitgerät finanzieren müssen, um solche Phasen zu überbrücken.
Für diese neuen Aufgaben benötigen wir Ihre Unterstützung, Instrumente werden etwa 25.000 Euro kosten, für den Autoklaven warten wir auf ein Angebot, ich rechne mit 30.000 Euro.

Das TERREWODE Team im beispielhaften Einsatz für das eigene Land

In den zwei Jahren, in denen das Krankenhaus nun besteht, ist ein außergewöhnliches, engagiertes Team zusammengewachsen, das den Einsatz für die Frauen Ugandas als gemeinsames Ziel auf seine Fahnen geschrieben hat. Neben operativer Versorgung, Rehabilitation und Reintegration von Fistelpatientinnen steht die politische Unterstützung von Frauen auf dem Programm. Mit dem Workshop hat sich die Organisation das große Ziel gesetzt, die medizinische Versorgung im ganzen Land zu verbessern. Sie haben damit große Aufmerksamkeit und Anerkennung im Land bekommen. Und es war mir eine große Freude, dazu etwas beizutragen.

Die drei Wochen sind im Flug vergangen und der nächste Einsatz zur Weiterführung des Qualitätsmanagements am Krankenhaus ist schon für Mai geplant – gemeinsam mit Dr. Fekade, der die beiden Kollegen Dr. Tino und Dr. Cherop als Trainer und Vorsitzender der Kommission für Geburtsfisteln in der Internationalen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (FIGO) ausbildet.
Unterstützen Sie unsere Arbeit und die Frauen in Uganda! Unser Engagement soll dazu beitragen, dass Geburtsfisteln endlich der Vergangenheit angehören und Frauen gleichberechtigten Zugang zum medizinischen System erhalten.


Herzliche Grüße, Ihre


Dr. Barbara Teltschik
2. Vorsitzende Fistula e.V.



Logo Fistula e.V.

Der Fistula Spenden Shop

Wichtigstes Angebot unseres Shops sind die Geschenkspenden, bei denen Sie uns online einen Geldbetrag für unsere Projekte senden können.
Dr. Barbara Teltschik hat neue Artikel von Ihrer Reise mitgebracht. Die von den Fistelfrauen der Terrewode Selbsthilfegruppe Uganda genäht wurden. Diese werden bis nächste Woche im Fistula Shop eingepflegt. Schauen Sie immer wieder in unseren Online-Shop.

Jeder Kauf ist ein Beitrag, den geburtsverletzten Frauen zu helfen.

Ihr Fistula e.V. Team
wünscht viel Spaß beim Stöbern!
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Afrikanischer Wachsstoff - Baumwolle

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Handgefertigte äthiopische Schals von Sabahar aus Äthiopien.
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Helfen Sie uns mit einer Shopspende!

Wir haben einen Koffer voll mit kleinen Stoff-Elefanten und Taschen mitgebracht. Sie sind genäht aus dem typisch bunten afrikanischen Stoff und diese können Sie in unserem Fistula Online Shop erwerben. 
Terrewode Fistula Hospital in Uganda

Instrumentensets für den OP

Geschenkspende
"Instrumentensets für den OP des TERREWODE Fistula Hospital in
Uganda"

Die bemerkenswerte Weiterentwicklung des Krankenhauses hat dazu geführt, dass die Anzahl der Instrumentensets nicht mehr für den Tagesbedarf ausreicht. Neue Operationsmethoden erfordern spezielles Instrumentarium.
  1. Instrumentensets für den OP

  2. Psychologische Betreuung

  3. Physiotherapie für Fistelpatientinnen

  4. Rehabilitations- und Reintegrationsspende

  5. Familienplanung in den Selbsthilfegruppen

  6. Mikrokredite für Fistelpatientinnen zur Sicherung des Überlebens

Spendenkonto Fistula e.V.

Volksbank Bruchsal-Bretten

IBAN: DE22 6639 1200 0041 0500 04

BIC (SWIFT-CODE): GENODE61BTT

Fotos: TERREWODE, Dr. Barbara Teltschik, ideenzone - Kornelia Altdörfer
Copyright: Fistula e.V.

Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Fistula e.V.
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Neue Heimat 7
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