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Fistula e.V.

Newsletter August 2020

Wir von Fistula e.V. wünschen uns, dass Geburtsfisteln der Vergangenheit angehören! Mit hohem Engagement tun wir alles dafür, dass den Müttern und ihren Kindern geholfen wird.


Liebe FreundInnen und UnterstützerInnen,

Es gibt gute Nachrichten aus Uganda: Das von Fistula e.V. unterstütze TERREWODE Fistula Hospital konnte wieder geöffnet werden! Am 1. August fanden die ersten Operationen nach über 4 Monaten Lockdown statt. Aufwändig wurden neue Konzepte in der Patientenversorgung erarbeitet, um die Klinik "Corona-sicher" zu machen – soweit dies möglich ist bei einem gemeinsamen Krankensaal und Schwierigkeiten, ausreichend Schutzausrüstungen zu bekommen. Die Covid-19-Erkrankungszahlen nehmen in Uganda stetig leicht zu, wahrscheinlich ist die Dunkelziffer deutlich höher, da die Testkapazität weit unter unserer in Europa liegt. Wegen der Pandemie musste das im August letzten Jahres eröffnete und bereits sehr erfolgreich arbeitende kleine Krankenhaus wieder geschlossen werden – ein großer Rückschlag für das engagierte Team.

Wir wünschen viel Erfolg und hoffen, dass sie die Infektion aus dem Krankenhaus heraushalten können.

Terrewode - Fistulahilfe für Uganda
Eine Patientin hat ihre Operation im TERREWODE-Fistulakrankenhaus in Uganda glücklich hinter sich gebracht. Foto: © Barbara Teltschik

Endoskopieturm für TERREWODE


Außerdem gibt es auch gute Nachrichten für Uganda: wir haben von Frau Dr. h.c. mult. Sybill Storz, Inhaberin der weltbekannten Firma KARL STORZ in Tuttlingen, eine komplette Einrichtung zur Durchführung von Blasenspiegelungen und kleinen endoskopischen Operationen als Spende bekommen, einschließlich einer hochauflösenden Kameraeinheit mit großem Bildschirm, um die Untersuchungen Kollegen und Schwestern demonstrieren zu können. TERREWODE ist ja auch ein Lehrkrankenhaus, so dass wir bald phantastische Möglichkeiten haben, die Diagnostik und Therapie zu erweitern und zu modernisieren.

Dr. Josephine als angehende Urologin spricht seit Monaten begeistert über diese Möglichkeit, die an anderen Krankenhäusern in Uganda selten zur Verfügung steht. Bei meinem letzten Aufenthalt haben wir zwei Patientinnen operiert, denen eine Blasenspiegelung zur OP-Vorbereitung vielleicht den Eingriff erspart hätte.

Doch mussten vor Einführung solch kompliziert zu pflegender Instrumente erst die Qualität von Instrumentenpflege und -reinigung sicher funktionieren. Die empfindlichen Linsenoptiken und Metallhülsen benötigen korrekte und aufwendige Reinigung sowie Sterilisation. Wir hoffen, bald wieder reisen zu können, um das OP-Team zu unterrichten.

Frau Dr. Storz unterstützt uns schon seit vielen Jahren, sie hatte Dr. Hamlin auf einer Veranstaltung kennengelernt, an der sie beide eine Ehrendoktorwürde verliehen bekommen haben. Für diese ausnehmend großzügige Spende bedankt sich Fistula e.V. und TERREWODE sehr herzlich!
© KARL STORZ SE & Co. KG
Firma KARL STORZ in Tuttlingen hat uns eine komplette Einrichtung zur Durchführung von Blasenspiegelungen und kleinen endoskopischen Operationen gespendet! Foto: © KARL STORZ SE & Co. KG

Erste Renovierungsarbeiten im Fistula Hospital

Die Corona Zeit wurde genutzt, um Arbeitsabläufe in der Klinik zu überarbeiten sowie den Raum zur Instrumentenaufbereitung und Sterilisation zu renovieren, da er baulich den Notwendigkeiten der qualitativ hochstehenden Instrumente und der Endoskopie nicht entsprach. Es war unmöglich, Waschbecken und Wasserhähne, die einem Mindeststandard an Hygienevorschriften entsprachen, im Land selbst zu besorgen. Wir hatten bereits im Herbst Waschbecken geschickt und nun folgen Wasserhähne, Edelstahlarbeitstische und weitere Reinigungsutensilien. Wir von Fistula e.V. helfen auch gerade bei der Auswahl eines größeren, modernen Sterilisationsgerätes, um den Anforderungen des täglichen Bedarfs an Instrumenten, Kitteln und Abdecktüchern gerecht zu werden. Wir gehen davon aus, dass wir dieses Projekt finanziell unterstützen werden.

Das Ambulanzprojekt

Drei Monate lang (Ende März bis Ende Juni) organisierte TERREWODE Krankentransporte für werdende Mütter. In dieser Zeit wurden 268 Frauen notfallmäßig von ländlichen Ambulanzen oder von zu Hause abgeholt und in das Distriktkrankenhaus in Soroti gebracht oder junge Mütter mit ihren Säuglingen von dort aus nach Hause gefahren, da es aufgrund des Lockdowns keinerlei lokale Transportmittel gab. Die Reaktionen aus der Bevölkerung waren äußerst positiv, da das Angebot 24 Stunden 7 Tage die Woche hervorragend funktionierte.

Eine Krankenschwester aus der Ambulanz Gweri III im Distrikt Soroti sagte:
"Wir können uns immer auf ein schnelles Reagieren von TERREWODE verlassen, wenn wir sie bei einem geburtshilflichen Notfall anrufen. Da es sich um ein abgelegenes Gebiet mit zerklüfteten, unbefestigten Straßen handelt, dauert es sonst immer mehr als zwei Stunden zwischen dem Zeitpunkt des Notrufs und der Ankunft eines Krankenwagens. Mit TERREWODE ist es so, als ob der Krankenwagen in Bereitschaft wäre. In weniger als einer Stunde sind sie da!"

Das Programm wurde in Partnerschaft mit den verschiedenen COVID-19-Taskforces des Distrikts durchgeführt. Adressaten des Programms waren Frauen und Mädchen, die an Fisteln und anderen Geburtsverletzungen litten, Fistel-Überlebende, werdende Mütter sowie Frauen, die häuslicher Gewalt ausgesetzt waren.

Aufgrund fehlender öffentlicher Transportmittel war es für Frauen fast nicht möglich, die Untersuchungen der Schwangerenvorsorge durchführen zu lassen und die Entbindungen in Geburtshilfeeinrichtungen und Krankenhäusern kamen fast zum Erliegen. Deshalb verteilte das TERREWODE-Team in den Dörfern, die es aufsuchte, Flugblätter mit der gebührenfreien Hotline an alle Frauen, um die Kampagne des Krankentransportes publik zu machen. Dies sollte die Medienkampagnen ergänzen, da die Broschüren in den lokalen Sprachen verfasst wurden. Uganda verfügt ja über 40 Sprachfamilien mit mehr als 120 verschiedenen Dialekten, was die Verbreitung von Informationen sehr erschwert. Englisch sprechen nur die Gebildeten.

Im Mai war der Ansturm auf den Krankentransportdienst am höchsten, da dieser Zeitraum den Höhepunkt der Einschränkungen im Rahmen des Lockdowns darstellte. Polizei und Sicherheitsbeamte waren oft gewalttätig und schüchterten jede Person ein, die das Haus verließ. Frauen, insbesondere werdende Mütter, einschließlich der Fistel-Überlebenden und -Patienten, waren von diesen Übergriffen am stärksten betroffen. Der Rückgang dieser Übergriffe im Juni ist zum Teil auf ein verstärktes öffentliches Bewusstsein zurückzuführen, das durch die Medienkampagnen TERREWODEs geschaffen wurde, in denen sie die Verantwortlichen zum Handeln aufriefen.

Der Kontakt zu den jungen Müttern gab den Sozialarbeiterinnen auch die Möglichkeit über Familienplanung zu sprechen, viele Frauen hatten noch nichts davon gehört oder waren bei Fehlinformationen sehr unsicher über die Anwendung. Über 20% der Gebärenden waren Teenager (13-19 Jahre), sie profitierten von diesem Dienst sicherlich sehr, da sie normalerweise keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben.

Insgesamt stellte sich die Versorgung der Frauen in dieser Zeit als große Herausforderung dar. Erst mussten Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel besorgt werden – ungleich schwieriger bis heute in Uganda als bei uns. Es kamen viele Hilferufe misshandelter Frauen, die psychosoziale Hilfe war im Rahmen der Ausgangssperren kaum möglich. Mehrfach holte der Ambulanzwagen die betroffenen Frauen aus ihren Dörfern heraus und TERREWODE organisierte eine Schutzunterkunft oder brachte sie ins Krankenhaus.

Terrewode Ambulanz für Geburtshilfe in Uganda
Eine Mutter kommt mit Ihrem Neugeborenen glücklich nach Hause, unser Transporter hatte sie im Rahmen der Corona-Ambulanzkampagne sicher nach Hause gebracht. Das Engagement TERREWODEs wurde von der Bevölkerung sehr positiv aufgenommen. Foto: © TERREWODE

Ein Gutes hat die Kampagne für Fistelpatientinnen auch gebracht:
Das TERREWODE FISTULA HOSPITAL wurde sehr bekannt und während der Zeit haben sich viele Frauen mit Geburtsverletzungen bei der Hotline gemeldet.
Über 60 neue Patientinnen aus der Region warten nun auf Abklärung und baldige Operation.

Es ist begeisternd, was die kleine Organisation trotz Schließung des Krankenhauses durch die ugandischen Behörden in den letzten Monaten für die Frauen ihres Landes geleistet hat. Ich habe regelmäßig mit Alice Emasu, der Geschäftsführerin von TERREWODE telefoniert, die für dieses Projekt brannte und auf politischer Ebene ein Bewusstsein für die Situation der Frauen geschaffen hat, das hoffentlich auch nach der Pandemie anhält.

TERREWODE Krankentransporte während Corona
Ein Team von medizinischem Personal des Soroti District Hospital posiert mit einem TERREWODE-Mitarbeiter (rechts) am Fahrzeug für den Patientinnen-Rücktransport. Beim Erliegen des öffentlichen Nahverkehrs wurden damit auch teilweise die Mitarbeiter zum Einsatz gebracht. Foto: © TERREWODE

Sharon Akello - Überlebende während der Corona-Ambulanzkampagne


"Mir geht es jetzt ziemlich gut, abgesehen von den Bauchschmerzen und der Müdigkeit. Ich bin mir nicht sicher, ob ich überlebt hätte, wenn ich nicht so schnell mit Ihrem Krankenwagen hier ins Hospital gebracht worden wäre. Vielleicht wäre ich zusammen mit dem Baby gestorben", sagt Sharon Akello, in ihrem Krankenhausbett auf der Entbindungsstation liegend, zur TERREWODE Sozialarbeiterin.

Sharon Akello, Entbindungsstation des Soroti District Hospital
Sharon Akello (rechts) und ihre Mutter lauschen einer Mitarbeiterin aus TERREWODE während einer Beratungssitzung auf der Entbindungsstation des Soroti District Hospital. 
Foto: © TERREWODE

Immer noch geschwächt von der lang dauernden Geburt und der großen Operation, schaut sie zu dem Beutel mit intravenöser Flüssigkeit auf, der an einer Infusionsstange baumelt, und verzieht ihr Gesicht vor Schmerzen.

Der Notfallruf für die TERREWODE Ambulanz kam mitten in der Nacht. Sharon war fast bewusstlos, sie lag bereits über einen Tag in Wehen, bevor die hinzugezogene Hebamme den Notruf abgab. Die Untersuchung ergab einen bereits deutlich reduzierten Herzschlag des Kindes, sowohl die Mutter als auch ihr Baby waren gefährdet.

Bei ihrer Ankunft im Krankenhaus von Soroti erhielt sie einen Notkaiserschnitt, bei dem leider nur noch ein totes Baby geborgen werden konnte. Die Gebärmutter war gerissen und musste genäht werden. Zur Vorsorge einer Geburtsfistel wurde ein Katheter eingelegt.

Ihre Bettnachbarin hat ein gesundes Baby und man sagt ihr lange nicht, dass ihr Kind nicht überlebt hat. Als sie die traurige Nachricht erfährt, ist sie verzweifelt. Es ist ihre zweite Geburt. Bereits mit 13 Jahren war sie ungewollt schwanger geworden, der ebenfalls jugendliche Vater verließ sie. Zum Glück nahmen sie ihre Eltern wieder auf. Sie erlitt dann allerdings im 6. Monat eine Fehlgeburt, Folge war eine Geburtsfistel und eine Fußheberschwäche, die sie bis heute begleitet. In der neuen Schule lernte sie ihren heutigen Ehemann kennen.

"Mein Mann und meine Schwiegermutter fürchten, dass mir die Gebärmutter entfernt wurde und ich ihnen kein Kind gebären kann. Ich mache mir auch Sorgen. Das Baby hat zu sehr in meine Gebärmutter getreten. Ich glaube, meine Gebärmutter war schwer beschädigt", fügt Sharon hinzu. Die Angst ist groß, in der Familie ihres Mannes nicht mehr akzeptiert zu werden.

Die Sozialarbeiterin von TERREWODE klärt die Situation für die Patientin, ugandische Ärzte reden wenig mit den Patienten. Die Nachricht, dass die Gebärmutter erhalten werden konnte und dass nach einer Heilungs- und Ruhephase von zwei Jahren eine erneute Schwangerschaft versucht werden könne, erfreut Sharon und ihre Familie sehr, deren Unterstützung ihr jetzt sicher ist. Außerdem wird sie eindrücklich über Verhütungsmöglichkeiten, die erforderlichen Schwangerschaftsuntersuchungen und rechtzeitigen Kaiserschnitt bei erneuter Schwangerschaft informiert. Außerdem wird Sharon in das Reintegrationsprojekt der Organisation aufgenommen werden, um auch beruflich ein Standbein zu erarbeiten.

"Ich bin Ihrem Einsatzteam und Ihrer Beratung so dankbar, Sie haben mein Leben gerettet und mir neue Hoffnung gegeben!"

Ausblick


Nun werden wir unser Augenmerk wieder auf die Patientenversorgung richten und rechnen wie immer auf Ihre großzügige finanzielle Unterstützung. Von Ihren Spendengeldern finanzieren wir einerseits die laufenden Krankenhauskosten, aber auch den Bereich der Sozialarbeiterinnen und Reintegration. Zusätzliche Gelder werden je nach Notwendigkeit für medizinische Ausrüstung verwendet – diesmal hatten wir das Glück, gleich die ganze Ausrüstung gespendet zu bekommen.

Die Freude ist auch in Uganda groß!


Corona-gerechtes Meeting der TERREWODE-Mitarbeiter
Corona-gerechtes Meeting der TERREWODE-Mitarbeiter, die gesamte Organisationsstruktur der Klinik wird unter Aspekten der Infektionsprophylaxe neu bewertet. Nun konnte das TERREWODE-Fistulakrankenhaus wieder für Patientinnen geöffnet werden. Foto: © TERREWODE

Helfen Sie mit einer Geschenkspende!

Geschenkspenden für Ugandas Frauen

  1. Neues Sterilisationsgerät zur Instrumentenaufbereitung
  2. Coronabedingte Zusatzkosten für die Patientenversorgung
  3. Rehabilitations- und Reintegrationsspende
  4. Mikrokredite für Fistelpatientinnen zur Sicherung des Überlebens

Hier geht es zum SPENDEN SHOP!

Der Verein


Ende Juli bekamen wir Post vom Vereinsregister. Unsere geänderte Satzung ist nach großem Einsatz unserer ersten Vorsitzenden Frau Jutta Ritz jetzt endlich unter Dach und Fach. Die Satzung steht zum Download auf der Impressums-Seite von www.fistula.de bereit.

Unser Corona-Spendenaufruf im April hat innerhalb weniger Tage 10.000 Euro gebracht. Dafür möchten wir uns bei Ihnen allen nochmals herzlich bedanken. Zwischenzeitlich haben wir für die Corona-Maßnahmen 20.000 US-Dollar nach Uganda geschickt.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien einen schönen Sommer. Bleiben Sie gesund und unterstützen Sie uns weiterhin.
Dr. Barbara Teltschik

2. Vorsitzende Fistula e.V.

P.S. Sollten Sie sich näher für die Situation in Uganda interessieren, finden Sie einen Link auf unserer Webseite: Fistula News Aktuelles




Logo Fistula e.V.
Fotos:
TERREWODE, Dr. Barbara Teltschik, Kornelia Altdörfer, Copyright: Fistula e.V.
Cystoskopieturm: Karl Storz SE & Co. KG
Fistula Kunsthandwerk und Spendenshop
Fair Trade Artikel von Sabahar und Afar im Fistula Spenden Shop.

Wenn Sie diese E-Mail (an: unknown@noemail.com) nicht mehr empfangen möchten, können Sie diese hier kostenlos abbestellen.

 

Fistula e.V.
Jutta Ritz
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